Kleines Glossar der Modelagenturen.

Die 11 wichtigsten Begriffe für Models und die, die es werden wollen.

1. Agenturprovision

Die Agenturprovision ist eine Kostenposition bei der Buchung eines Models über eine Agentur und wird dem Model und Auftraggeber berechnet. Eine Vermittlungsprovision ist ein branchenübergreifendes Vergütungsmodell für Unternehmen, die regelmäßig erfolgsabhängig entlohnt werden.

Bei Modelagenturen - als reiner Vermittler - stellt die Agenturprovision die alleinige Geschäftsgrundlage einer Modelagentur dar. Provisionen von mehr als 18 % sind in Deutschland rechtlich unzulässig. §2 Abs.2 der Vermittler-Vergütungsverordnung setzt eine entsprechende Höchstgrenze fest. Dennoch variieren die Provisionen der Modelagenturen in der Regel zwischen 20% und 30%. Begründet werden die erhöhten Provisionssätze mit einem erhöhtem Verwaltungsaufwand und den Kosten der Erstellung von Präsentationsmitteln für die Model-Sedcard.

Im europäischen Ausland sind diese Provisionen bzw. Abzüge oftmals weitaus höher; dies ist nicht zuletzt, weil Models im Ausland nicht als Selbstständige veranlagt werden, sondern sozialversicherungspflichtig angestellt werden müssen!

2. Bewerbung

Unter Bewerbung versteht man die Bewerbung eines Models bei einer Modelagentur.

Ungleich der gängigen Meinung, dass eine erfolgreiche Bewerbung als einer Modelagentur ein Höchstmaß an standardisierten Vorgaben bedarf, ist es viel mehr ausschlaggebend bei welcher Agentur sich ein potentielles Model bewirbt!

Besonders außerhalb des klassischen Fashionmodel Bereichs gibt es keine wirklichen Vorgaben für eine Modelbewerbung. So gibt es zum Beispiel keine bestimmte Altersbegrenzung für Models. Auch Maßangaben spielen eine untergeordnete Rolle, wenn es um Modelle für Werbeproduktionen geht. Hier spricht man allerdings auch von People und weniger von Models.

Die gefragte Ästhetik liegt viel mehr bei den Proportionen des Models. Dabei spielen auch Faktoren, wie gesunde Haut und sicheres Auftreten eine große Rolle. Das Modeling ist ein Beruf wie jeder andere und fordert ebenso Professionalität und Zuverlässigkeit. Die Persönlichkeit des Models ist ein entscheidender Faktor um erfolgreich in dieser Branche zu arbeiten.

Für die Erstbewerbung benötigen Modelagenturen i.d.R. zwei aussagekräftige Bilder, sowie persönliche Angaben. Dabei müssen die Fotos nicht professionell sein. Bei der Aufnahme in die Kartei erstellt die Agentur eine Sedcard mit professionellen Fotografien. In der Regel werden die Kosten vorerst von der Agentur übernommen und über eingehende Honorare verrechnet. Bei den Bildern handelt es sich um ein Portrait, sowie einer Ganzkörperaufnahme.

Bei dem Bewerbungsanschreiben benötigen die Modelagenturen einige Angaben:

  • Geburtsdatum
  • Maße (Brustumfang - Taille - Hüfte)
  • Kontaktdaten (Name, Anschrift, Mobilnummer, Email)
  • Körpergröße
  • Haarfarbe/Augenfarbe
  • Körbchengröße (bei weiblichen Bewerbern)
  • Schuhgröße
  • Konfektion

Die Fotos mit einem entsprechenden Anschreiben schicken die Models an die Agentur ihrer Wahl. Mittlerweile werden Onlinebewerbungen bevorzugt. Bei Minderjährigen Bewerbern ist die Mitnahme der Eltern notwendig.

3. Booker

Ein Booker arbeitet bei einer Modelagentur und erledigt die Buchungsabwicklung; stellt also den Kontakt zwischen dem Model und dem Auftraggeber her bzw. bietet das Model an. Dabei ist es wichtig, dass der Booker ein gutes Gespür für die Bedürfnisse des Kunden entwickelt, um im darauffolgenden Schritt die passenden Models anbieten zu können. Der Booker wird bei umfangreichen Projekten in das Projektmanagement Team einbezogen und ist dann Bestandteil des Teams, wenn es beispielsweise darum geht eine aufwendige Promotion Aktion oder eine Fashionshow zu realisieren. Neben dem Booking kümmert sicher der Booker um die Karteipflege und um die Kundenakquise. Damit deckt er einen großen Teil des operativen Geschäfts einer Modelagentur ab. Das Booking ist eine der wichtigsten Abteilungen einer Agentur. Geleitet wird das Booking vom sogenannten Head-Booker. Es gibt weder einen Studiengang, noch eine Ausbildung, für diesen Beruf. Der Einstieg in die Branche geschieht zumeist über ein Praktikum in einer Modelagentur.

4. Buchungsbestätigung

Eine Buchungsbestätigung ist eine verbindliche Zusage der Agentur an das Model. Die Buchungsbestätigung enthält alle Daten wie z.B. Honorar, Zeitraum, Ort für den Auftrag. Die Agentur sendet dem Kunden eine Auftragsbestätigung die inhaltlich identisch zur Buchungsbestätigung ist. In der Auftragsbestätigung werden dem Kunden alle Anfragepunkte wie Uhrzeit, Ort, Gagen etc. nachdrücklich bestätigt, um Missverständnisse zu vermeiden. Kunde oder Modelagentur sind berechtigt bei Nichthaltung der Vereinbarung der Buchungsbestätigung ihre Rechte geltend zu machen. Das Model muss die Buchung ebenfalls ordnungsgemäß bestätigen. Dies geschieht in der Regel durch eine im Vorfeld getroffene Vereinbarung, der Option.

5. Buyout

Das Buyout ist eine Vergütung für die Einräumung der Nutzungsrechte des Models an den Auftraggeber, um entstandenes Bild-/Videomaterial verwenden zu dürfen.

Eine gesonderte Rechteabtretung bzw. Nutzungseinräumung muss bei jeder Medienproduktion berücksichtigt werden, weil das Recht am eigenen Bild grundsätzlich eine kommerzielle Weiterverwertung ausschließt. Der Kunde bezahlt also neben dem vereinbarten Modelhonorar eine Rechteabtretung. In anderen Worten, kauft der Kunde das Recht die Bilder für bestimmte Zwecke für einen bestimmten Zeitraum verwenden zu dürfen.

Bei groß angelegten Kampagnen werden die Nutzungsrechte neben den Medienkanälen (also der Verwertungsart; zum Beispiel, alle Onlinemedien) auch zeitlich und räumlich eingeschränkt. Zur Ermittlung des Buyouts bedienen sich Agenturen der VELMA Tabelle. Die Tabelle gliedert die verschiedenen Medienkanäle und Territorien und empfiehlt einen prozentualen Anteil auf das Modelhonorar zu berechnen.

6. Casting

Ein „Casting“ ist die Bezeichnung für die erste Vorstellung eines Models oder eines Schauspielers bei einem Auftraggeber und kann auch als Prozess der Rollenauswahl verstanden werden. Das Casting wir zeitgemäß in zwei Varianten unterteilt. Das e-Casting und das Live-Casting.

6.1 Live-Casting

Dabei handelt es sich nicht um die Bewerbung in Form von Bild, Ton und Schrift, sondern um die physische Vorstellung von Kandidaten beim Auftraggeber oder bei der Castingagentur. Das Live-Casting orientiert sich an dem zu besetzendem Modeljob. Bei Schauspielern kann das Casting auch schauspielerische Passagen und Sprechrollen enthalten. Das Live-Casting wird in der Rege über Castingvideos festgehalten und dokumentiert. Die Vorauswahl und Castingvideos werden anschließend an die jeweiligen Regisseure und Produzenten weitergeleitet. Über die endgültige Besetzung wird danach nochmal entschieden. Besonders bei Werbeproduktionen und Modenschauen ist das Casting ein wichtiger Erfolgsfaktor, da bereits kleine Unstimmigkeiten im Erscheinungsbild den Produktionserfolg gefährden können. Obwohl das Casting online genaugenommen von einer Castingagentur durchgeführt wird, wird in der Branche bereits die Bewerbung eines Models bei einer Modelagentur als Casting verstanden.

6.2 e-Casting

Dabei handelt es sich nicht um die die physische Vorstellung von Kandidaten beim Auftraggeber oder bei der Castingagentur, sondern um die die Bewerbung auf einen Modeljob mittels aktuellen Bilder- und Videomaterial.

Das die Modelagentur oder Castingagentur bekommt im Vorfeld klare Vorgaben zu den gewünschten Bild- und Videomaterial und gibt diese an die Modes und Schauspieler weiter. Das Material wird dann ähnlich wie bei dem Live-Casting an die Regisseure und Produzenten weitergeleitet.

7. Fitting

Das Fitting ist oftmals Bestandteil eines Modeljobs und wird kurz vor der Produktion oder der Veranstaltung durchgeführt. Konkret geht es um die Anprobe der Kleidung, die bei einer Modenschau getragen wird oder das Kostüm/ die Oufits für eine Foto- oder Videoproduktion. Für das Fitting wird je nach vorheriger Absprache eine Aufwandsentschädigung gezahlt.

8. Modelvertrag

Der Modelvertrag dient zur schriftlichen Festlegung der Rechte und Verpflichtungen zwischen der Modelagentur und dem Model. Ohne unterzeichneten Vertrag wird das Model nicht beim Kunden angeboten, da die Agentur in der Regel nur im Namen und Auftrag des Models eine Rechnung stellen und eine Buchung durchführen darf.

Der Modelvertrag ist daher eine Vertretungsberechtigung des Models and die Agentur im Namen und Auftrag des Models Verträge zu schießen.

Darüber hinaus regelt der Modelagenturvertrag bestimmte Vergütungspauschalen und Rechteabtretungen im Rahmen eines Engagements. Es werden in der Praxis häufig zusätzliche Absprachen mit dem Model und dem Auftraggeber getroffen, da über den Modelagenturvertrag nur grundsätzliche Rahmenbedingungen abgeklärt werden. Bestandteil des Modelagenturvertrags sind unter anderem Grundlagen der Zusammenarbeit, Buchungsgrundlagen und Finanzielles.

Der Modelagenturvertrag wird in der Regel bei der Aufnahme eines Models bei einer Modelagentur geschlossen und gilt dann für alle zukünftigen Modeljobs, die zwischen der Modelagentur und den Auftraggebern geschlossen werden.

Das Model kann mit belieb vielen Modelagenturen eine solche Vertretungsvereinbarung schließen. Eine exklusive Vertretung ist vertragsrechtlich, im Rahmen der Selbstständigkeit eines Models, unzulässig!

9. Option

Die Option ist ein wesentlicher Bestandteil einer Modelbuchung. Die Option dient dem Zweck gegenüber dem Endkunden nur Models vorzustellen, die zeitlich und zu vorgegebenen Konditionen auch bereit sind den Auftrag durchzuführen.

Die Option ist eine vertraglich bindende Zusage des Models an die Agentur, wobei das Model die Möglichkeit hat die Option zu relativieren. Optionen sind zeitlich befristet. So kann das Model der Modelagentur eine verbindliche Zusage bis zu einem bestimmten Termin geben. Sollte bis dahin keine Zusage des Auftraggebers bzw. der Agentur erfolgen verfällt die Option.

Nebst dessen hat das Model die Möglichkeit Optionen zu priorisieren. So vergibt das Model je nach zeitlichem Zustandekommen der Option der ersten Anfrage eine "erste Option" und der zeitlich nachfolgenden Anfrage eine "zweite Option". Sollte also die erste Anfrage hinfällig werden so erhält die weite Anfrage dann die erste Option. Ein Model kann jederzeit eine Anfrage auch ablehnen und die Option verweigern bzw. nicht vergeben.

10. Overtime

Overtime (Überstunden) sind Stunden die zusätzlich zur abgemachten Stundenanzahl anfallen können. Wird ein Model für einen ganzen Tag gebucht, bedeutet dies generell 8 Stunden reine Arbeitszeit. Arbeitet das Model jedoch länger als die geplante Zeit, wird dies als Overtime bezeichnet. Diese Zeitüberschreitung wird dem Model als Prozentsatz der Tagesgage gutgeschrieben und dem Kunden zusätzlich in Rechnung gestellt. Das Model muss der Agentur eventuell angefallenen Überstunden unverzüglich durchgeben. Diese Angaben können später nicht mehr berücksichtig werden, da die Rechnungsstellung an den Kunden äußerst zeitnah nach der Produktion erfolgt.

11. Polas

Polas ist eine Kurzform des branchenüblichen Begriff: „Polaroids“ und bezeichnet schlichte Aufnahmen auf denen das Model meist ungeschminkt und im Bikini (bei Fashionmodels) bzw. Casual (bei Commercialmodels) abgelichtet wird. Der Begriff stammt technisch aus der Vergangenheit als Fotos mit einer Polaroid-Kamera aufgenommen wurden. Polaroids sind ein wichtiger Bestandteil des Modelprofils, besonders in Zeiten der extremen Möglichkeiten der Bildbearbeitung, wo oftmals das reale Erscheinungsbild des Models sich stark mit den Aufnahmen im Modelbook unterscheidet. Außerdem werden Polas auch als "Snaps", "Snap-Shots" oder "Digitals" bezeichnet.